Drachensee-Tour

Inspiriert von den »Mountain Dogs«, machte ich mich  auf die Spuren der Drachen…

Die ganze Tour und auch den Track findet ihr in Marias Blog. Deshalb beschreibe ich sie hier nicht.

Ich fand, nicht nur, weil ich die Zugspitze vom Vortag noch in den Beinen hatte, die Strecke sehr anspruchsvoll. Erstens waren es auf den 17 km insgesamt 2600 hm und zweitens war es technisch eine echte Herausforderung mit zwei großen Hunden. Der versicherte Steig »Hoher Gang« direkt zu Beginn war am schwierigsten. Es gab zwei bis drei Stellen, an denen ich Milo und Luke über Kopfhöhe hochheben musste. Mit Luke ein echter Spaß 😉 Dabei ging es neben uns einige hundert Meter steil abwärts. Ab und zu habe ich mir echt fast in die Hose gesch… Milo hat sich bei drei Stellen, weil er merkte, dass er rutscht, einfach hingelegt (das macht er immer zur Sicherheit und wartet dann da auf mich, wenn er unsicher wird). Ich konnte ihn jeweils mit etwas Unterstützung zum Weiterkraxeln bewegen.

Milo ist sehr erfahren in alpinem Gelände und hat ein gutes Körpergefühl. Deshalb habe ich Luke an diesen drei Stellen auch nicht alleine klettern lassen. Er überschätzt sich nämlich ab und zu. Und bei diesem Steig hätte das richtig blöd werden können. Die zwei Leute, die mir entgegen kamen und der eine Herr, den wir überholten, trauten ihren Augen nicht, dass sie auf Hunde trafen 😀

»If you think adventure ist dangerous, try routine, it is lethal.« – Paulo Coelho

 

Als wir das sehr sehr spannende Stück voller Stolz hinter uns gebracht haben, konnten sich die Jungs zur Belohnung direkt im schönen Seebensee abkühlen. Danach ging es zwar noch öfter steil bergauf und am Ende gab es noch den »Immensteig«, der war aber entspannt im Gegensatz zum »Hohen Gang«. Die schönen Bergseen waren jedesmal eine tolle Belohnung und der Ausblick und die traumhafte Kulisse waren der Hammer.

Fazit: Wir würden es nochmal tun! Vielleicht beim nächsten Mal ausgeruhter und ohne Hunderucksäcke, dafür mit passenderem Klettergeschirr.

 

 

Auf die Zugspitze

Es gibt mehrere Möglichkeiten, zu Fuß auf die Zugspitze zu kommen. Mit Hunden ist die Beste von Südosten durch das Reintal.

Leider blieb mir nur die Möglichkeit, in einer bestimmten Woche, die Route zu gehen. Deshalb musste ich einfach auf passendes Wetter hoffen. Am 21. August entschied ich mich morgens spontan. Es war zwar etwas zu warm, doch die nächsten Tage sollte es noch wärmer werden. Da ich eh hoch und auch wieder runter zu Fuß gehen wollte (man kann auch die Zahnradbahn nehmen), dachte ich mir, dass ich einfach losgehe und zur Not halt irgendwann früher wieder umdrehe.

So kam es auch… Aber von vorne:

Wir starteten in Garmisch am Skisprung Olympiastadion. Nach einem kurzen Fußweg ging es durch die Partnachklamm. Es war einfach nur nass, laut und dunkel und schon ziemlich imposant. Die Hunde gaben ein gutes Tempo vor, sie wollten  zügig durchmarschieren…

Nach dem letzten Tunnel öffnete sich plötzlich sonnig das weite Tal mit Blick auf die Berge. Nach der »blöden« Klamm war auch die kleine Brücke mit Lochgitter kein Thema für Milo und Luke. Diese wurde einfach zügig passiert.

Nach einer guten Stunde erreichten wir die Bockhütte auf 1.052hm. Wir frühstückten und die Jungs erfrischten sich noch ein bisschen im klaren Wasser der Partnach.

              

Weiter ging`s: Der breite Wanderweg wurde immer schmaler und ich genoss die Landschaft. Die Sonne schien, aber der Wind war noch sehr kalt. Vorbei am Wasserfall der Partnach, erreichten wir die Reintalangerhütte auf 1.370hm.

Kurze Zeit später änderte sich das Gelände vollkommen. Es wurde steinig, geröllig und steil. Keine Bäume mehr. Nur noch ein paar Büsche und später nur noch Flechten. Keine Möglichkeit auf Schatten. Zum Glück zogen Wolken auf, doch die Temperaturen stiegen. Glücklicherweise fanden wir mitten im Geröllfeld eine kleine eiskalte Wasserstelle und ich konnte die Hunde nochmal komplett nass machen. Der Anstieg schien kein Ende zu nehmen und obwohl ich irgendwann oben die nächste Hütte sehen konnte, hatte ich das Gefühl, wir kamen ihr nicht wirklich näher. Irgendwann war es doch geschafft. Wir waren auf der Knorrhütte.

Erstmal ein (alkfreies) Weizen und eine riesige Portion Nudeln, auch für die Jungs… Danach schnarchten sie laut unterm Tisch und die Sonne kam wieder raus. Bis hoch wären es noch 1,5 – 2 Stunden gewesen. Eigentlich nicht lang, doch mit der Sonne und der Mondlandschaft, die uns ab da erwarten würden, war ich mir unsicher und entschied, einfach noch länger sitzen zu bleiben und mich dann gemütlich an den Abstieg zu machen.

Wir können es ja auch nochmal ein anderes Mal probieren 🙂

Den gleichen Weg zurückzugehen war auch schön (normalerweise gehe ich lieber Runden), denn der Ausblick war einfach gigantisch.

Nach insgesamt 9 Stunden, 38 km und 2700 hm legten wir uns direkt ins Zelt und ratzten… Ich bin stolz auf Milo und Luke, sie sind echt so super fit. Am nächsten Tag waren sie direkt wieder am Start 🙂

 

 

 

Karwendel Dogtrekking 2017

Mit den Hunden ging es Ende Juli ins schöne Karwendel. Ungefähr 40 km waren wir im Rahmen des »Karwendel Dogtrekking« an einem Tag unterwegs, mit gefühlten 10.000 Höhenmetern 😀

3 Menschen und 4 Hunde waren wir in unserem Team 🙂 Giulia mit Nikita, Andrea mit Betty und ich mit Milo und Luke.

Ich habe am besagten Tag schon auf Facebook einige meiner Bilder gestellt und nutze nun den Blog, um noch Giulias Bilder zu zeigen.

Mehr Worte braucht es auch nicht. Die Bilder sprechen für sich.

Danke an Mountain Dogs,  es war ein super tolles Abenteuer.

Wichtiger als gute Erziehung: die richtige Sozialisierung

Einen Hund gut zu sozialisieren, bedeutet, ihn gesellschaftsfähig zu machen. Da uns unsere Hunde heutzutage fast überall begleiten, müssen sie sich schon früh an Dinge, wie Menschenmassen, LKWs, flatternde Markisen und Rollstühle gewöhnen. Um ihnen das so leicht wie möglich zu machen, sollte man seinem Vierbeiner all das in Vorbereitung auf sein Leben an unserer Seite zeigen.

Nur sehr zögerlich streckt Milo seinen Kopf nach vorne und schnuppert verhalten nach dem Leckerli in der Hand. Er fasst etwas Mut, schnappt es sich blitzschnell und verschwindet damit wieder unter den Küchentisch, um es dort in Sicherheit zu vertilgen.

Das war vor 7 Jahren, ein paar Tage nach seiner Ankunft in Deutschland. Milo ist ein Hund aus dem spanischen Tierschutz, der in seinen ersten Lebensmonaten, also in der wichtigen Prägungsphase eines Hundes, nicht viel kennengelernt hat. Entsprechend zeigte er Unbekanntem gegenüber sehr lange große Unsicherheit.

Eine gute Sozialisierung des Vierbeiners ist unerlässlich, um ihn zu einem angenehmen Begleiter zu machen, der entspannt auf neue Dinge zugehen kann.

Hunde sind die einzigen Tiere, welche den Menschen als vollwertige Sozialpartner anerkennen und seine Gegenwart oft sogar die der Artgenossen vorziehen. Das ist für uns eine hohe Verantwortung, der wir uns bewusst sein sollten.

Bevor wir unseren Hund vielen Umwelterfahrungen aussetzen, sollten wir ihm Sicherheit und Vertrauen geben. Mit uns im Rücken kann er neugierig durch die Welt gehen, weil er weiß, wo er Schutz findet.

Das erreicht man, indem man seinem Hund immer wieder beweist, dass man Führungsqualitäten besitzt, also Entscheidungen ruhig und souverän durchsetzt. Setzt ihr euch zum Beispiel eurem Hund gegenüber regelmäßig durch, traut er euch auch zu, dass ihr ihn sicher durch sein Leben zu führt und ihr euch sogar potentiellen Feinden gegenüber behaupten könnt. Er traut euch zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen und stellt euch nicht andauernd in Frage.

Führen bedeutet auch, dass man sich als Mensch von Anfang an seinem Hund gegenüber abgrenzen kann und ihm nicht ständig das Gefühl gibt, man habe nur Augen und Ohren für ihn und sonst nichts Besseres zu tun. In einem wilden Wolfs- oder Hunderudel wird in erster Linie nach dem Führer geschaut. Wo geht er hin? Wie verhält er sich in neuen Situationen oder auch bei Gefahr? Ist er entspannt, ist das Rudel entspannt.

Wenn ein Hund nicht weiß, wo er im Rang steht, ist er in der Regel überfordert.

Mit ständiger Aufmerksamkeit auf euren Hund, suggeriert ihr ihm einen falschen Status. Er fühlt sich zu einer Entscheidung gezwungen, anstatt sich ganz einfach an euch zu orientieren. Und da die wenigsten unserer Vierbeiner von Anfang an souverän und cool sind, fangen sie zum Beispiel an, den riesigen Bus oder den großen Schäferhund anzubellen oder vor ihm zu fliehen und nicht zusammen mit euch einfach vorbeizulaufen. Zwar wird er das anfangs bestimmt mit riesigen Augen machen, jedoch ohne Panik, denn sein Mensch vermittelt ihm durch sein Verhalten, dass keine Gefahr besteht.

Sammelt der Hund früh viele Umwelterfahrungen, kann er sich auch später besser mit unbekannten Situationen auseinandersetzen.

Ob euer Hund nun auf dem Land oder in der Stadt aufwächst, er sollte von beiden Welten so viel wie möglich kennenlernen, denn man fährt sicher mal zusammen in den Urlaub oder die Lebenssituation verändert sich.

 Hundebegegnungen

Zeigt eurem Hund, dass es andere Hunde in jeglicher Größe, unterschiedlichen Alters, mit platten und langen Nasen, mit extrem viel Fell oder Falten gibt und dass diese oft körpersprachlich verschieden agieren. Besucht er nur die Welpenstunde, lernt er in erster Linie, dass man ungestraft potentielle Spielpartner umrennen darf oder dass man als Mobbingopfer herhalten muss. Nur ein älterer Hund kann ihm angemessen die Grenzen aufzeigen. Achtet darauf, dass er gerade anfangs nur mit gut sozialisierten Hunden in Kontakt kommt, damit er nicht gleich schlechte Erfahrungen macht.

Beachtet, dass außerhalb des eigenen Rudels kein Welpenschutz existiert, nur ihr als Halter können ihn schützen, indem ihr euch auch mal vor ihn stelt, wenn er überfordert ist oder ihr bei einer Hundebegegnung kein gutes Gefühl habt.

Stadt

Lauft die ersten Male durch ruhigere Wohngebiete und lasst ihn dort in Ruhe schnüffeln und schauen und geht nicht sofort durch die Innenstadt oder an den Bahnhof. Wenn es in die Stadt geht, am besten auch nicht gleich samstags zur stundenlangen Shoppingtour, damit wäre jeder Hund schnell überfordert. Es sind einfach zu viele Reize auf einmal, von den ganzen Gerüchen mal abgesehen. So viele Menschen, Kinder, alte Leute mit Krücken, Betrunkene, knatternde Mofas, glatte Böden, Gitterböden, Aufzüge… Geht lieber öfter und dann kurz mit ihm in die Stadt, dann muss er nicht alles auf einmal verarbeiten.

Besucht auch den Stadtpark mit eurem Hund, damit er Jogger und Radfahrer kennenlernt und nicht denkt, die Menschen rennen bedrohlich auf ihn zu.

Andere Tiere

Lasst euren Vierbeiner andere Tiere beobachten. Katzen, Pferde, Kühe, Schafe und Hühner, alles, was ihr so in eurer Umgebung oder auf einem Ausflug findet. Sogar in manche Zoos darf man seinen Hund mitnehmen.

Kinder

Kinder sind für Hunde oft kleine sehr unberechenbare Wesen, die plötzlich rennen, fallen, schreien, aufspringen und Dinge werfen. Wenn es die Möglichkeit gibt, lasst euren Hund erstmal mit Kindern zusammentreffen, die Hunde gewöhnt sind und dadurch ruhiger mit ihnen umgehen. Lasst ihn keinesfalls mit Kindern alleine, sondern habt immer ein Auge drauf.

Geräusche

Damit der Hund nicht geräuschempfindlich wird, gewöhnt ihn von Anfang an an klappernde Töpfe, fallende Bücher, laute Züge. Nehmt bei eurem Welpen zu Hause nicht zu viel Rücksicht, wenn er schläft. Bewegt euch ganz normal durch das Haus, denn er soll lernen, auch bei Lärm zur Ruhe zu kommen.

Achtet darauf, euren Hund nicht zu überfordern, ihr habt genug Zeit, ihm die Welt zu zeigen.

Egal was für Abenteuer ihr mit eurem Hund unternehmt, er sollte nicht überreizt werden. Fängt er an zu hecheln oder gar zu zittern, ist er gar nicht mehr zur Ruhe zu bekommen, ist es ihm zu viel. Er muss nicht jeden Tag etwas Neues kennenlernen, denn er braucht dazwischen Entspannung, um all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Tage mit viel Schlaf und Döserei, kurzen reizarmen Spaziergängen sind genauso wichtig für die Entwicklung.

 

Inzwischen hat Milo das meiste nachholen können und er sieht, bis auf lauten Knallgeräuschen, auch neuen Situationen gelassen entgegen.

Auch das ist also möglich, dass ein Hund die Sozialisierung weitestgehend nachholt. Je nach Charakter des Hundes dauert es länger und erfordert mehr Geduld und Know-How.

Von Aimo zu Milo und wieder zurück

Vor 7 Jahren hob ich einen Hund namens Aimo aus einem stinkenden spanischen Transporter. Da war mir noch nicht klar, was ich alles mit diesem Kerl erleben würde. Das ist die kurze Geschichte über eine lange, unglaubliche Entwicklung eines ängstlichen, verdreckten Straßenhundes aus Barcelona, der zu einem stolzen, schönen Begleithund in Wiesbaden wurde. 

 

»Mein Gott, wie sieht der denn aus?!«, dachte ich, als ich ihn mir zu Hause näher betrachtete. Er blinzelte mich vorsichtig an. Als würde er fragen, »so schlimm?« und blieb sicherheitshalber unter dem Küchentisch sitzen. Mit seinem hängenden Kopf, seiner buckligen Körperhaltung, dem stumpfen, struppigen hellbraunem Fell mit kahlen Stellen, dafür Knochen, die an Hüfte und Rippen herausragten, bot er nicht gerade ein ansehnliches Bild. Dazu stank er bis zum Himmel nach Straße, Müll, Dreck, Stress und Krankheit, irgendwie süßlich, faulig.

Ungefähr 3 Jahre sollte er alt sein, doch er wirkte steinalt, nicht nur körperlich, auch seine Augen. Diese wirkten jedoch nicht müde, sondern wissend. Sein Blick, fast weise. Ich hatte auf der einen Seite sehr viel Respekt vor ihm und auf der anderen Mitleid.

Eine Tierschützerin in Spanien hatte lange versucht ihn einzufangen, bis sie sein Vertrauen erlangte und es ihr gelang. Sie wollte ihn nicht sterben sehen. In dieser Gegend werden die Hunde mit Absicht überfahren, erschossen und vergiftet. Sie nannte ihn Aimo »der Liebe«, doch ich empfand ihn damals nicht als sehr liebenswürdig und machte aus Aimo einfach Milo, das machte für ihn keinen großen Unterschied.

Wurde Milo von Menschen bedrängt, knurrte er tief und zeigte all seine Zähne und ging auch mal bellend nach vorne. Dazu hatte er Angst vor Fahrrädern, Autos, Kinderwägen, Tüten, Schirmen, Hüten, Schildern vor Läden, Joggern, rennenden Kindern, Zigarettenrauch, Gewitter, Feuerwerk und sogar vor stärkerem Wind. Bei diesen Dingen knurrte er nicht, sondern erstarrte und zitterte am ganzen Körper, hyperventilierte fast bis zur Ohnmacht und versuchte irgendwann zu fliehen.

Da ich mich mit angstaggressiven Hunden auskenne, kam er zu mir. Ich hatte davor schon eine Hündin aus schlechter Haltung geholt, die anfangs direkt zubiss, wenn sie Angst bekam und ich es nicht schnell genug für sie regelte. Milo sollte eigentlich von mir vermittelt werden, sobald er bereit dazu und gefestigter war.

Heute, fast 7 Jahre später, sitzt er immer noch in meiner Küche, aber nur, wenn er auf sein Futter wartet und nicht mehr unter dem Tisch. Ansonsten hat er sich entschieden, einfach bis an sein Lebensende an meiner Seite zu bleiben und diese Entscheidung hat er erfolgreich mit viel Charme durchgesetzt.

Seine Entwicklung ist einzigartig. Es war ein Weg mit vielen Höhen und Tiefen, Fortschritten und auch Rückschlägen, Lachen und Heulen, Hoffnung und Verzweiflung. Es hat sich mehr als gelohnt und Milo hat nicht nur viel von mir gelernt, ich kann fast sagen, ich habe noch mehr von ihm gelernt. Ich bleibe ruhiger, lasse jedem seine Zeit, die er für einen Lernprozess braucht, atme regelmäßiger ruhig in den Bauch, bin aufmerksamer im Hier und Jetzt und gehe insgesamt gelassener durch`s Leben. Milo hat ein bisschen Spanien in meinen Alltag gebracht.  Mit Druck und Schnelligkeit habe ich bei ihm nie etwas erreicht, da macht er dicht und »redet« einfach gar nicht mehr mit mir. Als ich ihn zum Beispiel an Menschen in der Stadt gewöhnen wollte, ging er mit mir nur weiter, wenn ich selbst ruhig und souverän voranging. Mit so einer Person an seiner Seite konnte er auch cool bleiben. Das heißt, ich musste meistens nichts an ihm korrigieren, sondern nur mich selbst in meinem Verhalten.

Wer ihn jetzt kennenlernt, kann sich kaum vorstellen, was für ein armseliger Hund er war. Sein Fell ist nun dicht und schön, sein Körper gut bemuskelt  und sein Blick aus seinen bernsteinfarbenen Augen ist fest. Er hat es geschafft, 95 Prozent seiner Ängste zu bewältigen. Sogar bei Gewitter ist er entspannt. Übrig ist nur eine bestimmte Art von Knallgeräuschen, wie Böller oder ein Gewehrschuss, die ihm starke Angst machen. Er kommt jedoch zu mir, wenn es knallt und läuft nicht weg.

Ich kann Milo überall mit hinnehmen, er fällt immer positiv auf, da er einfach gut hört und ich mich auf ihn verlassen kann. Er läuft ohne Leine mit mir durch die Straßen, schaut niemanden schief an, trottet einfach seinen Weg und sieht dabei irgendwie zufrieden aus. Ohne übertrieben nach mir zu schauen, ist er ständig wie zufällig in meiner Nähe. Er wirkt nicht wie ein trainierter Hund und trotzdem hält er an jeder Straße an, wartet bis ich rübergehe und schließt sich mir selbstverständlich an. Setze ich mich an einen Tisch, legt er sich unter diesen, ohne dass ich etwas sagen muss. Sage ich unterwegs zu jemandem »Hallo!«, schaut er diese Person an und wedelt mit der Rute. Kommt uns ein angeleinter Hund entgegen, läuft er nah bei mir  und schaut einfach geradeaus. Freilaufende Hunde begrüßt er freundlich oder läuft in einem Bogen vorbei, je nach Hund.

Milo will einfach keinen Stress, denn den hatte er in seinen ersten Jahren zu genüge. Er geht Konflikten aus dem Weg, außer es muss sein, dann sagt einem Rüden oder aufdringlichem Junghund auch mal kurz, heftig, bestimmt und angemessen Bescheid.

Mit ihm zusammenzuleben ist eine absolute Bereicherung. Ich bin sehr dankbar für diese Freundschaft. Jetzt nenne ich ihn ab und zu wieder Aimo.

»So einen Hund möchte man nicht haben«

Und genau so ein Hund, den keiner haben möchte, hat mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Durch ihn mache ich Dinge, auf die ich vielleicht nie gekommen wäre. Draußen unterwegs war ich zwar schon immer gerne und gelaufen bin ich mit meinen Hunden auch viel. Aber plötzlich bewege ich mich auch noch radfahrend, rennend, mantrailend, canicrossend, bikejörend, Dinge versteckend und Spuren legend durch die Natur.

Luke ist ein Deutsch Kurzhaar / Podenco – Mix aus dem Tierschutz. Er hatte keinen guten Start ins Leben. Gefunden wurde er als Junghund in Spanien, halb verhungert mit gebrochenem Kiefer. Über einige Umwege landete er als ca. 9 Monate alter Jungspund bei mir. So richtig hat er es mit Menschen nicht und anfangs ignorierte er mich die meiste Zeit, was uns nicht gerade dazu verhalf, sehr schnell eine Bindung aufzubauen.

Heute ist unsere Bindung das, was unsere Beziehung ausmacht, denn er hat überhaupt keinen will-to-please und ein umso größeres Problemlösungsverhalten. Was ihn natürlich nicht dazu animiert, mit dem Menschen eng zusammenzuarbeiten. Aber arbeiten möchte er und damit er sich nicht beruflich selbständig macht, bin lieber ich sein Arbeitgeber.

Er ist vielseitig talentiert, aber ihm liegen Jobs, in denen er die Führung übernehmen darf. Dinge wie Obedience oder Agility wären beidseitig sehr frustrierend, daher wurde es die Suchhunde- und Zughundearbeit. Genau mein Ding. Von beidem bin ich sehr fasziniert und auch immer wieder von Hunden, die genau dafür ein Talent haben. In der Hinsicht passen Luke und ich ideal zusammen.

Dadurch und über die Zeit und weil ich ihn so nehme wie er ist, sind wir ein sehr gutes Team geworden. Er arbeitet inzwischen mit großer Begeisterung mit mir zusammen. Und auch »in seiner Freizeit« ist er stets an meiner Seite, wenn ich ihn brauche oder auch einfach «nur« rufe. Ich bin stolz auf ihn, dass er sich so toll entwickelt hat, er ist ein echter Kerl mit viel Humor, aber auch einer großen Ernsthaftigkeit und Konzentration, wenn es die Situation erfordert.

Er braucht zwar viel Aufmerksamkeit und fordert sie auch ein, ob das draußen sein Jagdtrieb ist, seine unbändige Energie und sein großer Bewegungsdrang oder Zuhause unbedingt Körpernähe zu brauchen und am liebsten immer Kuscheln zu wollen.

Inzwischen hat er zwar gelernt, auch alleine runterzufahren und zu schlafen, wenn wir irgendwo drinnen sind, aber man merkt ihm an, er hat viel Nähe nötig, um wirklich aufzutanken und ruhig und entspannt zu werden.

Ich liebe ihn für all das und er passt in mein Leben und zu mir. Er hält mich wach und fit und kreativ.

Aber ob ich mir bewusst nochmal so einen Hund aussuchen würde? Eher nicht 😉