»So einen Hund möchte man nicht haben«

Und genau so ein Hund, den keiner haben möchte, hat mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Durch ihn mache ich Dinge, auf die ich vielleicht nie gekommen wäre. Draußen unterwegs war ich zwar schon immer gerne und gelaufen bin ich mit meinen Hunden auch viel. Aber plötzlich bewege ich mich auch noch radfahrend, rennend, mantrailend, canicrossend, bikejörend, Dinge versteckend und Spuren legend durch die Natur.

Luke ist ein Deutsch Kurzhaar / Podenco – Mix aus dem Tierschutz. Er hatte keinen guten Start ins Leben. Gefunden wurde er als Junghund in Spanien, halb verhungert mit gebrochenem Kiefer. Über einige Umwege landete er als ca. 9 Monate alter Jungspund bei mir. So richtig hat er es mit Menschen nicht und anfangs ignorierte er mich die meiste Zeit, was uns nicht gerade dazu verhalf, sehr schnell eine Bindung aufzubauen.

Heute ist unsere Bindung das, was unsere Beziehung ausmacht, denn er hat überhaupt keinen will-to-please und ein umso größeres Problemlösungsverhalten. Was ihn natürlich nicht dazu animiert, mit dem Menschen eng zusammenzuarbeiten. Aber arbeiten möchte er und damit er sich nicht beruflich selbständig macht, bin lieber ich sein Arbeitgeber.

Er ist vielseitig talentiert, aber ihm liegen Jobs, in denen er die Führung übernehmen darf. Dinge wie Obedience oder Agility wären beidseitig sehr frustrierend, daher wurde es die Suchhunde- und Zughundearbeit. Genau mein Ding. Von beidem bin ich sehr fasziniert und auch immer wieder von Hunden, die genau dafür ein Talent haben. In der Hinsicht passen Luke und ich ideal zusammen.

Dadurch und über die Zeit und weil ich ihn so nehme wie er ist, sind wir ein sehr gutes Team geworden. Er arbeitet inzwischen mit großer Begeisterung mit mir zusammen. Und auch »in seiner Freizeit« ist er stets an meiner Seite, wenn ich ihn brauche oder auch einfach «nur« rufe. Ich bin stolz auf ihn, dass er sich so toll entwickelt hat, er ist ein echter Kerl mit viel Humor, aber auch einer großen Ernsthaftigkeit und Konzentration, wenn es die Situation erfordert.

Er braucht zwar viel Aufmerksamkeit und fordert sie auch ein, ob das draußen sein Jagdtrieb ist, seine unbändige Energie und sein großer Bewegungsdrang oder Zuhause unbedingt Körpernähe zu brauchen und am liebsten immer Kuscheln zu wollen.

Inzwischen hat er zwar gelernt, auch alleine runterzufahren und zu schlafen, wenn wir irgendwo drinnen sind, aber man merkt ihm an, er hat viel Nähe nötig, um wirklich aufzutanken und ruhig und entspannt zu werden.

Ich liebe ihn für all das und er passt in mein Leben und zu mir. Er hält mich wach und fit und kreativ.

Aber ob ich mir bewusst nochmal so einen Hund aussuchen würde? Eher nicht 😉